Self-Checkout nun auch bei der Migros!

Heute konnte ich in meinem Migros (seid 20 Jahren Migros Limmatplatz) alle Artikel selber scannen, einpacken und bezahlen. Was Coop schon länger am Testen ist, wird nun auch bei der Migros Realität.

Zuerst einmal musste ich staunen, dass ich bei dem Self-Checkout anstehen und warten musste. Natürlich ist es etwas Neues und die Leute wollen es ausversuchen, dass man aber anstehen muss und die Leute so neugierig sind? Wenige Berührungsängste?

Nachdem wir ein wenig warten mussten, sind wir an der Reihe und los geht’s. Die Stationen sind nicht ganz so komfortabel was die Platzverhältnisse angehen aber es funktioniert. Sowieso wenn man zu Zweit ist.

Ich wollte schon immer Mal selber an der Kasse sitzen.

Der Scanner funktioniert tadellos und extrem schnell und zuverlässig. Artikel mit dem Barcode in an den Leser halten und nächster Artikel. Die Benutzerführung ist tadellos und führt intuitiv durch den Prozess. Auch Artikel die paarweise (Beispiel Joghurt)  werden als Paarartikel erkannt und entsprechend vorgeschlagen. Das Bezahlen funktioniert am Ende dann doch nicht. Es ist Samstag und die Leitungen sind überlastet. Das Hilfspersonal ist aber schnell zur Seite und hilft kompetent weiter und kann den Zahlungsvorgang an einer separaten Kasse aufgrund des ausgedruckten Belegs separat durchführen. Lehrbuchmässig steht eine Alternative bei Nichtfunktionieren des Self-Checkout zur Verfügung.

Zu Hause dann ein wenig Recherche zum Pilotprojekt der Migros, welches in einem Presseartikel am 02. September angekündigt wurde.

Interessant ist, mit welchen Attributen das Self-Checkout angepriesen wird:

  • selber einspannen
  • gleich einpacken
  • bequem selbständig bezahlen
  • besonderes Einkaufserlebnis
  • zügigen Einkauf
  • etc.

Spannend, das einzige was ja wirklich besser ist, ist wenn man nicht warten muss. Das Ganze selber zu machen, ist ja eher zusätzliche Arbeit, die bis Dato jemand anders gemacht hat.

Mein Gewinn ist die Zeitersparnis.

Aus meiner Sicht ist eine interessantere Frage, wohin das Ganze führt. Ich mag mich erinnern, dass pro 4 Self-Checkout Kassen ein Angestellter genügt und ich mache jede Wette, dass bis Ende nächstes Jahr in meinem Migros nur noch halb so viele „richtige“ Kassen vorhanden sind. Der Fortschritt wird nicht aufgehalten.

Wie in einem vorangegangenen Blog (der erste Patienten Self-Service Terminal) beschrieben, setzten sich Self-Services Szenarien flächendeckend durch. Die Zeit für die Entwicklung der Technologie ist vorbei und die nächsten 10 Jahre (Call it the 10/10 rule: a decade to build the new platform, and a decade for it to find a mass audience.) werden durch Adaption geprägt sein.

Aber in Bezug auf den Artikel „98.5 Prozent weniger Aufwand“ muss man sich wirklich fragen wohin das führt. Was passiert mit all den Menschen, die bis jetzt einen Teilzeit-Job an einer Migros-Kasse hatten?  Was passiert mit den Menschen, die keine „High Potentials“ sind und auch nie werden?

Nicht dass ich eine Lösung habe. Die emineo unterstützt mit ihren Lösungen seit mehr als 10 Jahren die Bemühungen, Prozesse zu vereinfachen und damit einen Beitrag zur Rationalisierung zu leisten. Was bei der Entwicklung ganz sicher ist, ist dass wir uns von einer Gesellschaft mit Arbeitslosigkeit um 5% verabschieden können und die Politik dieses Thema mal aufnehmen müsste. Geht es wirklich darum, dass die „Arbeiter“ nächstes Jahr generell 2% mehr Lohn erhalten oder geht es mittelfristig darum, dass „Arbeiter“ nächstes Jahr überhaupt einen Job haben?

Related posts:

  1. Der ersten Patienten Self-Service Terminal
  2. 98.5 Prozent weniger Aufwand!
  3. Interoperabilität im Gesundheitswesen wird überbewertet
  4. Self-Services im Gesundheitswesen