Mehrwert von Patienten Portalen

Die verschiedenen Diskussionen rund um das IBM Patient Empowerment-System (PES) und die darin angewendeten Konzepte haben in den letzten Wochen klar gezeigt, dass niemand der Lösung gegenüber gleichgültig ist! Es entstehen hitzige Debatten – nicht über die Technologie, sondern über den Platz des Patienten im System “Gesundheitswesen”, über das Vertrauen in vom Patienten generierten Informationen und über den allgemeinen Einfluss von Social media Netzwerken im Gesundheitswesen. Und natürlich ist auch das Thema “Nutzen” immer ein zentraler Diskussionspunkt.

Dass Patienten Portale wie das IBM PES sehr wohl einen Nutzen haben können liegt für uns auf der Hand!

Grundidee: der Patient steht im Mittelpunkt

Die „Initianten“ des PES sind von der folgenden Hypothese ausgegangen: „Empowering the Patients“ leads to „Empowering the physicians“! Wenn wir gut informierte Patienten haben, welche ihre Daten selber pflegen und auch ihr Wissen eigenständig weiterentwickeln, so hilft das auch den Ärzten. Sie können diese Datenbasis nutzen, haben es mit gut informierten und auch zufriedeneren Patienten zu tun, was ihnen in ihrer täglichen Arbeit zu Gute kommt.

Der Patient ist somit der Mittelpunkt! Er dient als singuläre Datenquelle, in welcher nicht nur klassische PHR Daten verwaltet werden, sondern welche weitere relevante Informationen wie Familien Geschichte, Life Style (Ernährung, Bewegungsgewohnheiten, Trinkgewohnheiten, Rauchen, etc.), Rezept freie Medikamente, genetische Erbinformationen, etc. beherbergen kann. Gleichzeitig ist der Patient auch “knowledge cosumer“, indem auf Basis seiner eingegebenen Daten z.B. Gefahren für Medikamenten Wechselwirkungen feststellen und sich über Alternativen informieren kann, oder auf verfügbare Therapien und Medikationen im System zurückgreift. Dadurch, dass der Patient verschiedene bestehende Datenquellen (z.B. Klinische Daten von Spitälern, Kliniken, Online Diensten wie HealthVault, 23andme etc.) einbinden kann, dient er auch als zentraler “data hub” für externe Quellen. Er verbindet somit einerseits unterschiedliche Daten und Werte aus verschiedenen Systemen, andererseits verknüpft er auch Patienten, Familienmitglieder und Ärzte miteinander und bildet dadurch einen wichtigen Knoten im “social medical network“.

Ein Patientenportal wie das PES, welches den genannten Ansatz konsequent verfolgt hat das Potential, Gewinn bringenden Nutzen zu generieren!

Mehrwert für Patienten

Wenn man bedenkt, dass man als Patient in der Realität kaum freien Zugriff auf seine Gesundheitsdaten hat (und dies trotz geltendem Recht zur Einsicht in alle gesundheitsrelevanten Daten zur eigenen Person), dann ist der Mehrwert für den Patienten schon alleine durch das Vorhandensein eines Portals gegeben. Der Patient kann jederzeit online Einsicht in seine Daten nehmen, Auswertungen darauf durchführen und sich über seinen aktuellen Gesundheitszustand informieren. Darüber hinaus kann er sich weiterführend informieren und sich mit anderen Patienten und auch Ärzten austauschen. Patienten wollen heute mehr wissen, wollen an Entscheidungsprozessen teilhaben – das können sie mit solchen Lösungen und letztendlich kann dadurch die Patienten Zufriedenheit erhöht werden.

Neben dem Austausch mit anderen Patienten steht der direkte Kontakt mit Ärzten im Vordergrund. Fragen oder Unsicherheiten zum aktuellen Gesundheitszustand können dirket mit dem Arzt besprochen werden und der Arzt kann durch die Nutzung des Portals als Tele-Monitoring Instrument den Patient aktiv überwachen – ach wenn er bereits wieder zu Hause ist. Das bring mehr Sicherheit für den Patienten wie den Arzt im medizinischen Behandlungsprozess.

Mehrwert für Ärzte und Spitäler

Zufriedenere Patienten schaffen zufriedenere Ärzte! Das klingt vielleicht simpel, aber die Arbeit mit gut informierten und zufriedenen Patienten vereinfacht die Arbeit und kann Entscheidungsprozesse beschleunigen. Darüber hinaus können Ärzte ebenfalls ein singulärer und effizienter Zugriff auf alle relevanten Daten des Patienten gegeben werden. Diese Daten sind aktuell, umfassend und bilden zusammen mit hinterlegten Wissensdatenbanken und spezifischen Regeln eine Informations- und Know-how Basis, die dem Arzt eine sehr effiziente Analyse erlaubt und hohe Sicherheit in der Befund-Findung liefert!

Dass solche Resultate nicht nur Wunschdenken ist, zeigen die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt mit dem PES in Korea: Die im Projekt involvierten Ärzte sind zur Überzeugung gelangt, dass der Zugang zu Informationen für die Patienten, welche sie leicht verstehen können und relevant sind, eine Verbesserung der Patientensicherheit in Bezug auf die medizinische Behandlung hat. Dies durch die genannten Fakten, welche sich aus der Bereitstellung eines solchen Zugangs ergeben. Letztendlich können diese Faktoren auch zu Effizienzsteigerung und zu Kostensenkungen führen. Womit auch ein eigentlicher Mehrwert für das gesamte Gesundheitssystem geschaffen wird.

Mögliche Zukunftswege

Wir glauben, dass Patienten Portale wie das PES nicht nur zukunftsweisend sind, sondern dass auch ein echter Mehrwert damit erzielt werden kann. Wie immer im Schweizer Gesundheitsmarkt wartet man auf den “first mover”. Hinzu kommt die Frage nach dem “Business Case” – wer bezahlt und wer profitiert? Ist es die Aufgabe eines Spitals, ein Gesundheitsportal aufzubauen und bereitzustellen? Wir glauben, dass in der Schweiz ein Spital oder ein Spitalverbund sehr wohl die Rolle eines Betreibers einnehmen und daraus auch einen Vorteil ziehen kann – mehr dazu nach der Sommerpause …

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